BIFF Dortmund

Bildung-Integration-Frauen-Familie Interkultureller Verein zur Förderung von Bildung, Integration und Chancengleichheit

Auf der Grundlage unseres Grundgesetzes Artikel 3 Absatz 3: „ Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ stehen wir für

• Gleichberechtigung
• Chancengleichheit
• Mehrsprachigkeit
• Interkulturalität

Wir bieten
• Räume der Begegnung
• Bildung und Information
• Beratung und Austausch

Unsere Arbeitsschwerpunkte sind:
• Informationen über das Bildungssystem
• Förderung u.Unterstützung von Kindern und Jugendlichen
• Väterarbeit – Unterstützung u. Stärkung von Familien
• Neueinwanderung
• Unterstützung/Beratung bei der Gründung von Vereinen – Netzwerkarbeit

„Papa, das ist nicht cool…“

Väter emanzipieren sich
Yusuf ist ein moderner junger Vater und bringt seinen kleinen Sohn, wann immer er Zeit hat, in den Kindergarten. Dabei plaudert er mit seinem Sohn und genießt diese innigen Gespräche. Die Verabschiedung im Kindergarten, vor der Gruppe, ist immer besonders herzlich und liebevoll. An einem Tag ist etwas anders, der 5 jährige schiebt seinen Vater, als dieser ihn auf die Wange küssen will, entrüstet von sich und sagt bestimmt: „Papa, das ist nicht cool, lass das jetzt!“ Yusuf ist wie vor den Kopf geschlagen, Tränen schießen in seine Augen und es ist ihm wichtig, dass diese kleine Szene niemand beobachtet hat. Niedergeschlagen geht er und fühlt sich den ganzen Tag über nicht gut, der kleine bohrende Schmerz in seinem Herzen beschäftigt ihn. Erst als er Nachmittags nach Hause kommt und sein kleiner Sohn ihm auf den Arm springt und sich ohne Protest küssen und knuddeln lässt, ist seine „Vaterwelt“ wieder in Ordnung.

Yusuf ist in Dortmund geboren, seine Eltern sind Arbeitsmigranten aus Marokko, er ist im Dortmunder Norden aufgewachsen und hat die typische Bildungskarriere eines Migrantenkindes durchgemacht, d. h. er ist über Umwege zum Abitur gekommen und hat dann studiert, heute ist er Ingenieur, hat eine Familie gegründet, möchte seine Kinder sehr bewusst erziehen und kümmert sich somit sehr um seinen 5-jährigen Sohn Ahmed, liebevoll „Achi“ genannt. Yusuf besucht eine marokkanische Vätergruppe (Sie treffen sich regelmäßig in den Räumen des Vereines BIFF e.V. Bildung-Integration-Frauen-Familie) und tauscht dort mit anderen Vätern Erfahrungen aus. Inzwischen sind die jungen Väter miteinander vertraut, sodass über viele „heikle“ Themen geredet werden kann. So erzählt Yusuf in der Gruppe über die Schwierigkeiten seines Vaters mit den Gegebenheiten in Deutschland zurecht zu kommen, wie er sich selber dabei gefühlt hat und wie er seiner Rolle als Mann und Vater in Dortmund gerecht werden möchte, „Was habe ich eigentlich noch mit Marokko zu tun“, überlegt er, „ich verbringe dort meinen Urlaub, ich treffe meine Verwandten; meine Muttersprache und meine Religion kommen von dort und natürlich meine Eltern, aber was wird an Achi noch marokkanisch sein und erst an seinen Kindern? Für mich ist es wichtig, dass meine Enkel und die meiner Nachbarn, mit oder ohne Migrationshintergrund, friedlich miteinander in unserer Stadt leben können“. Auch die Szene vom Kindergarten wird diskutiert und Yusuf ist erleichtert, seine Betroffenheit zugeben zu können und auf Verständnis zu stoßen. Er überlegt kurz, wie sein eigener Vater auf so ein Gespräch reagiert hätte, Sätze wie: „ Ihr jungen Leute seid ja völlig verweichlicht, ihr seid schlimmer als Frauen“, wären da noch harmlos gewesen.

Warum ist die Arbeit mit und von Vätern so wichtig? Zum einen haben junge Väter längst erkannt, dass sie mit der ihnen von ihren Vätern vorgelebten und von ihren Müttern vermittelten Rolle als Mann und Vater in dieser Gesellschaft nicht zurechtkommen, bzw. dass diese Rolle, wenn sie dann übernommen wird, in dieser Gesellschaft nicht mehr gut „ankommt“. Das nicht nur in Deutschland, sondern oft auch im Herkunftsland ihrer Eltern. Zum anderen fordern Frauen vieler Länder in ihrer Heimat, aber vor allem Migrantinnen verschiedenster Herkunft hier in Deutschland: „ Ihr habt euch um uns gekümmert, uns fortgebildet, geschult, gefördert, gestärkt, in Projekte gesteckt, emanzipiert, usw., aber unsere Männer sind auf der Strecke geblieben, sie sind nicht mitgenommen worden und verstehen oft nicht, was los ist und wovon wir sprechen, deshalb haben wir Probleme umzusetzen, was wir verändern wollen“.

Bei der notwendigen und von Männern und Frauen geforderten Arbeit mit „Vätergruppen“ ist eine besonders sorgfältige und sensible Schulung und Stärkung der Multiplikatoren notwendig, denn:

• Besonders in dem oben angesprochenen Kulturkreis sind solche Gruppen kaum bekannt, man trifft sich zum Tee trinken, zum Fußball gucken (im Café), zum Beten (in der Moschee), zu Sitzungen (im Verein) etc.
• Geleitete Gruppen sind, außer im religiösen Kontext, nicht etabliert und den Frauen vorbehalten
• In diesen Kulturkreisen reden Frauen untereinander über fast alles, es gibt kaum Tabu-Themen, Männer untereinander reden so gut wie nie über ihre Frauen, schon gar nicht über Probleme innerhalb der Familie und Gefühle.,
• Männer, die andere, moderne Wege gehen, d.h. die ihre traditionelle Rolle als Mann und Vater in Frage stellen oder gar ändern wollen, gelten als „verwestlicht“, „verweichlicht“, sie werden lächerlich gemacht und ihr Respekt gegenüber den „Älteren“ wird in Frage gestellt > soziale/familiäre Ächtung

Daraus ergeben sich folgende Ansätze:
• „Vätergruppen“ sollen in „geschützten“, d.h. neutralen Räumlichkeiten stattfinden, nicht in der Moschee oder im Verein, “wo es jeder mitbekommt“
• Die Gruppen sollten sich zunächst über neutrale Themen finden, z.B. Kochkurs etc.
• die Multiplikatoren müssen besonders gut geschult werden (Methodik, Inhalte usw.)

Im Rahmen unsere Projektarbeit wurde sehr deutlich, dass umfassende, koordinierte und strukturierte „Väterarbeit“ geleistet werden muss. Zum einen, um Männern, die zu den oben genannten Comunitys gehören, zu ermöglichen, ihr traditionelles Rollenbild zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern, ohne dabei in Konflikt mit Herkunftskultur und Religion zu geraten, zum Wohle ihrer Familien und selbstverständlich des eigenen. Zum anderen, um Frauen, die diesen Weg ebenfalls gehen, zu unterstützen und ihre „Emanzipation“ zu ermöglichen. Letztendlich kann nur dieser gemeinsame Weg von Müttern und Vätern die eigene, sowie die Integration ihrer Kinder in diese Gesellschaft ermöglichen.

Zusammenfassend sind folgende Kriterien festzuhalten:

Gemeinsame Ausgangslage und Themen verbinden
• Multiplikatoren sind die Experten ihrer Comunity
• Methoden müssen geschult werden
• Die Gruppen bestimmen die Themen
• Geschützte Räumlichkeiten sind unbedingt erforderlich
• Nichts ist unmöglich, d.h. es gibt keine „Tabuthemen“, wenn die Gruppe es bestimmt.
• Jeder ist erwünscht und hat Potentiale

Entwicklung der Projekte

Die beteiligten Akteure planen weiter und entsprechend den Wünschen und Bedürfnissen der sich emanzipierenden Väter, werden diese im Rahmen des Möglichen in die Tat umgesetzt .

So planen die Dortmunder Akteure einen Film zu drehen, in denen die jungen Väter und ihre Kinder das Leben ihrer Vorfahren als Biografie dokumentieren, um so den Kindern und Enkeln von Migranten ihre „Geschichte“ zu geben. Diese Geschichte wird zurzeit weder im Aufnahmeland noch im Herkunftsland dokumentiert. An diesem Projekt sollen sich auch einige Dortmund Schulen beteiligen. Desweiteren soll ein Kochbuch mit internationalen Gerichten erscheinen.

Die Väterarbeit ist auf einem guten Weg, weil sich in unserem Sinne „mutige“ Männer auf den Weg gemacht haben, belächelt, manchmal verspottet, aber zuletzt endlich beachtet und anerkannt. In einem sind sie sich übrigens alle einig. „es hat sich gelohnt, unsere Familien sind zufrieden und wir bekommen mehr zurück, als wir gegeben haben“.

Um auf die Geschichte von Yusuf zurückzukommen, auch er und sein Sohn haben einen Weg gefunden: Zum Abschied sagen sie:“ Bis nachher“, stoßen ihre geballten Fäuste gegeneinander, zwinkern sich zu und klatschen dann die Handflächen aneinander. Das war es dann, aber „voll cool“ findet Ahmet und fühlt sich ein bisschen erwachsener und sein Vater zufrieden.

Weitere Informationen und Fragen zur Väterarbeit von Biff beantworten wir gern, sie können uns bei Bedarf jederzeit kontaktieren.

Träger: Bildung-Integration-Familien-Frauen-BIFF e. V.
Ansprechpartner: Antonio Diáz
Kontaktdaten: Wittenerstr. 46
44149 Dortmund
Tel.: 0178 7701793
EMail: biff-do-09@gmx.de