COACH e.V. Köln

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Väter mit Migrationshintergrund stehen in ihrem Erziehungsalltag vor großen Herausforderungen und Fragen. Einerseits verpflichtet sie ihre Kultur, die Erziehung der Tradition ihres Heimatlandes anzupassen, andererseits besuchen die Kinder deutsche Erziehungsinstitutionen und werden Mitglieder dieser Gesellschaft. Ziele unseres Projekts sind daher:

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• den Vätern einen Raum zu geben, ihre Fragen zu stellen und diese offen zu besprechen;
• die Reflexionsfähigkeit der Väter zu verbessern. Sie sollen ihre eigene Lebensund vor allem Migrationsgeschichte reflektieren, um ihr Leben besser zu bewältigen und nötige Veränderungen zu erreichen;
• die Kompetenzen der Väter zu stärken, um Ängste, Unsicherheiten wahrzunehmen und abzubauen;
• durch konkrete individuelle Angebote die Erziehungskompetenz der Väter zu stärken und zu erweitern;
• die Väter zu unterstützen, Verantwortung für sich, ihre Familie und die Gesellschaft zu übernehmen.

Zusammengefasst lässt sich erkennen, dass die Väter bereit sind, die angebotenen Räume zu nutzen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die angesprochenen Väter setzen sich aus unterschiedlichen Alters, Herkunfts- und Lebensstrukturen zusammen. Die Väter sind zwischen 35 und 55 Jahre alt und zum überwiegenden Teil in der Türkei geboren. Der Großteil der Gruppenmitglieder hat die Kindheit und Teile der Jugend getrennt vom eigenen Vater in der Türkei verbracht und dort unterschiedliche Schulbildung genossen.

Sowohl die Seminare, die Vätergruppe, als auch die Beratungseinheiten werden überwiegend auf Deutsch durchgeführt. Dies ermöglicht einerseits eine „gemeinsame“ Sprache mit der deutschen Projektleitung, andererseits erhöht sich dadurch die Sprachkompetenz der Väter. Es ist stets sichergestellt, dass ein Kollege mit türkischem Sprach und Kulturhintergrund die Arbeit begleitet.

Das gesamte Projekt wird durch Video, Foto und Tonprotokolle dokumentiert. Zielsetzung ist es dabei, den Vätern zu einem späteren Zeitpunkt ihre eigenen Entwicklungsschritte zu zeigen und andere Einrichtungen/Träger im Bereich „Ressourcenorientierte interkulturelle Elternarbeit“ fortzubilden.

In der Bedarfsanalyse ließ sich eine große Heterogenität in der Gruppe türkischer Väter feststellen. Einzig der Wille, die eigene Erziehungserfahrung nicht eins zu eins umzusetzen, sondern der Wandel zu einer liberaleren, der deutschen Gesellschaft zugewandten Erziehung prägt den überwiegenden Teil der Gruppe.

Beratungs- und Einzelarbeit verstehen wir im Projektsinn als Türöffner und flankierende Methode. Die Themen Schulschwierigkeiten, Erziehungsfragen, Fragen zu Ausbildungswegen und -möglichkeiten, individuelle Problemlagen, eigene berufliche (Neu)Orientierung, aber auch rechtliche Fragen und Beratungen wurden von den Vätern bereits in Anspruch genommen.

Die Seminare im Rahmen der Elternarbeit und die speziellen Seminare für Väter zum Thema „Entwicklungspsychologische Stufen und die Auswirkungen väterlichen Erziehungsverhaltens auf diese Stufen“ gaben den Teilnehmern die Möglichkeit, Neues zu erfahren, Fragen an Experten zu stellen und in Austausch zu treten.

In den anschließenden Gruppenstunden konnte der Transfer auf die eigene Lebenssituation vertieft werden. Die dabei entstandene Offenheit und Ehrlichkeit der Väter bot den Rahmen für eine konstruktive Auseinandersetzung mit Verschiedenheit. Die eingebrachten Erfahrungen der Projektmitarbeiter (als Väter) boten die Chance der Gegenüberstellung „deutscher“ und „türkischer“ Erziehungsmuster und werte. Durch die Erfahrungen im abgelaufenen Projektzeitraum erhöhte sich die Gruppe der Teilnehmer durch Mund zu Mund-Propaganda, ohne dass die Kinder dieser neuen Väter die Angebote unserer Einrichtung wahrnahmen.

Für die weitere Projektarbeit wurde von den Vätern eine Bearbeitung der Themen Pubertät, Drogengebrauch und missbrauch, Umgang mit Medien – Chance und Gefahren, Altersvorsorge und Versorgung im Alter unter besonderer Berücksichtigung türkischer bzw. muslimischer Belange angeregt. Durch die starke Einbindung des Coach e.V. im Elternnetzwerk NRW und in anderen Fachausschüssen wird es Treffen zwischen unserer Gruppe und Gruppen aus Bonn und Herne geben. Weiter hin wünschen sich die Väter gemeinsame Unternehmungen im Gruppenkontext, aber auch mit den eigenen Kindern und ein großes gemeinsames Fest mit allen Nutzern des Coach e. V.

Träger: Coach e.V. – Kölner Initiative für Bildung und Integration junger Migranten
Ansprechpartner: Ahmet Sinoplu
Kontaktdaten: Oskar Jäger Straße 139
50825 Köln
Tel.: 0221 5465625
EMail: sinoplu@coach-koeln.de