Kommunales Integrationszentrum Stadt Herne

kiz_herne_4c_150Kommunales Integrationszentrum Stadt Herne —Das Projekt „echte Väter“

Das Kommunale Integrationszentrum Herne zeigt an einem Projektbeispiel „echte Väter“, das seit 2007 existiert und immer weiter ausgebaut wurde, wie es funktionieren kann. Mittlerweile existieren 8 Vätergruppen in Herne. An den Gruppen nehmen nach wie vor überwiegend türkischstämmiger Väter teil.

Das Bild der türkischstämmigen Familie in der deutschen Öffentlichkeit ist häufig geprägt durch verängstigte Mädchen, verschleierte Frauen, machohaftes Jungenverhalten sowie das Fehlen oder Versagen der Väter im Erziehungsprozess. Wenn überhaupt scheint es möglich, nach Abbau von Sprachbarrieren die Mütter als Gesprächspartner von Kindergarten und Schule zu gewinnen. Selten jedoch wurde bisher der Versuch unternommen, die Väter in ihrer Rolle zu stärken und sie als positives Vorbild zur Sozialisation gerade der Jungen zu nutzen.

Das Kommunale Integrationszentrum Herne darf sich zu den Pionieren zählen, die den Vätern mit Migrationshintergrund nicht nur Verantwortung für die Erziehung zuschreibt, sondern die vorhandenen Eigenpotenziale nutzt und Eigeninitiative fördert. Selten wurde bisher gesehen, in welchem Dilemma sich Väter mit Migrationshintergrund befinden: Einerseits häufig gering qualifiziert, in schlecht bezahlten Positionen tätig, im Zwiespalt zwischen Traditionen der Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft. Andererseits möchten sie „Ernährer und Beschützer“ ihrer Familie sein, haben für ihre Kinder Aufstieg und Erfolg im Sinn, häufig unter falscher Einschätzung der Perspektiven.

Bei der Vätergruppe geht es nicht nur um erlebnispädagogische Events, sondern in den 3 wöchigen Treffen kommen auch Gesprächsthemen wie Medienkonsum, Schulprobleme, Umgang mit aggressivem Verhalten der Kinder aber auch die berufliche und gesellschaftliche Situation der Teilnehmer zur Sprache. Dabei kommt auch zum Ausdruck, welche kreativen Potentiale diese Väter z.B. als Hobbymusiker oder -fotografen mitbringen. Es wird darauf geachtet, diesen Potenzialen Wertschätzung zu verschaffen, indem ihnen Gelegenheit zur Entfaltung geboten wird.

Mit dem o. g. Projekt möchten wir die Erziehungskompetenz der Väter fördern und die Vater-Kind-Beziehung stärken. Außerdem möchten wir Vätern Raum und Zeit anbieten, um sich mit ihrem Erziehungsstil auseinanderzusetzen.

Zielgruppe
• sozial isoliert lebende Väter
• alleinerziehende Väter
• in problembelasteten Familienverhältnissen lebende Väter
• arbeitslose Väter
• Väter der Schülerschaft in unterschiedlichen Schulformen
• vor allem an Bildung und Erziehung interessierte Väter mit Migrationshintergrund

Methoden

• Die Schulleitungen an Grundschulen werden angesprochen oder angeschrieben, ob sie an dem Projekt interessiert sind. Bei Interesse findet ein Vorbereitungstreffen statt. Dort wird das Konzept für die Väterarbeit durch Herrn Ucan (Mitarbeiter des KI) vorgestellt. Daran können auch interessierte Lehrer/innen teilnehmen. Somit können offene Fragen geklärt werden. Wenn das Projekt Zustimmung findet, wird geschaut, ob ein Muttersprachenlehrer bereit ist oder sich vorstellen kann, das Projekt  an der Schule auf Honorarbasis durchzuführen. Wenn eine Bereitschaft vorhanden ist, folgt eine zweisprachige Einladung zur Gründung einer Vätergruppe über die Schülerschaft, die am Muttersprachenunterricht teilnimmt. Beim 1. Treffen nach der Kennenlernphase mit den Vätern wird das Projekt dort erneut vorgestellt und Fragen beantwortet und neue Ideen aufgenommen.

• Das Projekt wird in türkischer und deutscher Sprache durchgeführt, damit alle Teilnehmer den Inhalt des Themas verstehen und sprachliche Barrieren abgebaut werden können. Daher spielt  die Mehrsprachigkeit und die erforderliche interkulturelle Kompetenz eines Mitarbeiters in der interkulturellen Arbeit eine große Rolle.

• Das Projekt wird in regelmäßigen Abständen in den Abendstunden durchgeführt, da viele Väter berufstätig sind. Daher wird darauf geachtet, dass die Gruppenabende nach Rücksprache mit den Teilnehmern flexibel und abwechselnd gestaltet werden.

• Rollenspiele (Schwierige Situationen mit Kindern oder Jugendlichen werden vorgestellt und Umgangformen bei Überforderungssituationen eingeübt).

• Der Beziehungs- und Vertrauensaufbau ist enorm wichtig, damit in der laufenden Projektphase unangenehme und brisante Tabuthemen (z.B. Konflikte in der Familie) von TN angesprochen werden und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden können.

• Die Väter werden mit dem eigenen Verhalten konfrontiert.

• Väter werden in offenen Angeboten und unterschiedlichen Elternveranstaltungen mit Fingerspitzengefühl für das Väterprojekt angeworben (nur für die offene Vätergruppe im KI). Außerdem werden  die Zugänge über Mütter und Frauen genutzt.

• Bei der Gruppenbildung wird darauf geachtet, dass die Gruppe nicht nur aus problembelasteten Vätern besteht.

• Väter können sich die Themen selbst aussuchen.

• Bei Bedarf werden externe Referenten (Rechtsanwälte, Ernährungsberater, Berufsberater, Schulleitungen, Psychologen, Logopäden etc.) zu den Abendveranstaltungen eingeladen.

• Die Gruppenphasen werden in angenehmer und lockerer Atmosphäre durchgeführt.

• Um die Vater-Kindbeziehung zu stärken, werden Freizeitangebote (z.B. Klettern,  Kanufahrten, Fußballturniere, Museumsbesuch, Radtour etc.) an Wochenenden durchgeführt.

• Die Kompetenzen der Väter werden in die Arbeit mit einbezogen und gefördert (z.B. Vater-Kind-Musikgruppe, Fotoausstellung, Tanztheater mit Kindern und Jugendlichen). Anschließend wird Ihnen die Möglichkeit gegeben, dass sie in städtischen Kulturveranstaltungen (z.B. in interkulturellen Wochen und Kulturfestival etc.) mit ihren Kindern auftreten können. Das stärkt den Vaterstolz und sie erfahren als Vater mit Migrationshintergrund eine positive Wertschätzung in der Gesellschaft.

• Den Gruppenmitgliedern wird die Gelegenheit für offene Austauschgespräche gegeben.

• Bei Bedarf werden sie  über geeignete Erziehungsmethoden, Schul.- und Ausbildungssysteme informiert.

 • Mit Gruppenleitungen an Schulen findet regelmäßig (ca. alle 2 Monate) ein Austauschtreffen statt. Es werden dabei Probleme in den Gruppen besprochen und  neue Ideen entwickelt.

 Kooperationspartner

Dabei kooperiert das Kommunale Integrationszentrum mit den KiTas und in unterschiedlichen Schulformen, um Kontakte herzustellen und Übergänge zwischen KiTa bzw. Schule und Familie zu erleichtern. Weitere Partner stellen der ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst des Jugendamtes), die Familien- und Schulberatungsstelle und die MSO (Migrantenselbstorganisationen) dar.

Dauer des Projektes
Zurzeit existieren 6 parallel laufende Vätergruppen mit Migrationshintergrund, die an das Konzept des Kommunalen Integrationszentrums Herne angebunden sind. Die Vätergruppen treffen sich alle 2-3 Wochen in den Abendstunden (18.00-21.00 Uhr) in unterschiedlichen Standorten (siehe unten). In regelmäßigen Abständen werden an Wochenenden Freizeitaktivitäten (erlebnispädagogisch) entweder mit der gesamten Familie oder nur mit Vätern und Kindern organisiert und durchgeführt.
Eine Gruppenphase dauert über ein Jahr.

Standorte der Vätergruppen in Herne:
Zurzeit existieren in Herne 9 parallel laufende interkulturelle Vätergruppen.

• Grundschule Süd (Plutostr. 115, 44651 Herne)
• Schillergrundschule (Schillerstr. 51, 44623Herne)
• Kommunales Integrationszentrum (Rademachers Weg 15, 44649 Herne)
• Laurentiusgrundschule (Gahlenstr. 5, 44653Herne)
• Grundschule Max-Wiethof-Str. (Max-Wiethof-Str. 14a, 44627Herne)
• Josefgrundschule (Stöckstr. 113, 44649 Herne)
• Grundschule Vellwigstraße ( Vellwigstr. 28, 44628 Herne)
• GFI e.V. (Overwegstr. 32, 44625 Herne)
• Grundschule Berliner Platz in Planung (Berliner Platz 2, 44623 Herne)

• Die erste Vätergruppe trifft sich in den Räumlichkeiten des Kommunalen Integrationszentrums und ist offen für alle Väter. Dort wird das Angebot durch Hr. Ucan (Mitarbeiter des Kommunalen Integrationszentrums Herne) seit 2007 umgesetzt.
• Die zweite Vätergruppe existiert seit 2013 und trifft sich in den Räumlichkeiten der GFI e.V. (Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit in Herne), woran verschiedene Einrichtungen (nahe liegende Grundschule, Kindertageseinrichtungen usw.) beteiligt sind. Diese Gruppe ist ebenfalls offen für interessierte Väter mit oder ohne Migrationshintergrund. Zurzeit nehmen aus  6 verschiedenen Herkunftsländern (Albanien, Polen, Türkei, Deutschland, Rumänien, Marokko)   Väter an der Vätergruppe teil. Diese Gruppe wird ebenfalls durch Hr. Alay (Biologe vom Beruf und ist ebenfalls mehrsprachig) und Hr. Ucan geleitet.
• Die 7 weiteren Gruppen finden an 7 verschiedenen Grundschulen statt. Die einzelnen Gruppen werden durch HSU-Lehrer auf Honorarbasis geleitet. An dem Projekt nehmen  Väter der Schülerschaft der jeweiligen Schule teil.

Träger: RAA Herne
Ansprechpartner: Gürkan Uçan
Kontaktdaten: Rademachers Weg 15
44649 Herne
Tel.: 02325 6589313
EMail: Guerkan.Ucan@herne.de